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Muss erst etwas nicht stimmen?

Aktualisiert: 12. Aug.

Natur-Resilienz-Training im Wald – gemeinsam neue Perspektiven entdecken
Natur-Resilienz-Training im Wald – gemeinsam neue Perspektiven entdecken

Warum Resilienz auch dann wichtig ist, wenn es uns gut geht


Vor Kurzem durfte ich eine Gruppe bei einem vierstündigen Natur-Resilienz-Training im Wald begleiten.


Unser Thema lautete:

„Erntezeit im Leben – Was trägt mich? Was darf wachsen?“


Wir waren gemeinsam unterwegs, haben den Wald bewusst wahrgenommen, miteinander gearbeitet, uns bewegt, gelacht und sogar gemeinsam gesungen.


Wir haben uns mit unseren Ressourcen beschäftigt, mit dem, was uns im Leben trägt, und mit der Frage, was vielleicht noch wachsen darf.


Dabei begegnete mir ein Gedanke, der mich auch nach dem Training nicht losgelassen hat:


Warum sollte ich mich mit Resilienz beschäftigen, wenn bei mir doch alles in Ordnung ist?


Eine spannende Frage.

Und eine, über die es sich nachzudenken lohnt.



Resilienz ist keine Reparaturmaßnahme


Manchmal scheint Resilienz noch immer mit der Vorstellung verbunden zu sein, dass wir uns erst dann damit beschäftigen müssten, wenn etwas schwierig geworden ist.


Wenn wir erschöpft sind. Wenn eine Krise kommt. Wenn Veränderungen uns aus der Bahn werfen. Wenn wir nicht mehr weiterwissen.


Doch für mich beginnt Resilienz stärken viel früher.

Wir trainieren unseren Körper schließlich auch nicht erst dann, wenn wir keine Kraft mehr haben.


Warum sollten wir mit unseren inneren Ressourcen warten, bis wir sie dringend benötigen?


Resilienz bedeutet für mich deshalb nicht:

„Mit mir stimmt etwas nicht und ich muss an mir arbeiten.“


Sondern vielmehr:

Was ist bereits da? Was trägt mich? Was tut mir gut?

Und wie kann ich mir diese Kräfte bewahren?


Lösungsrad mit Impulskarten bei einem Natur-Resilienz-Training im Wald
Viele Fragen, viele Perspektiven: Beim Lösungsrad entstehen aus einer persönlichen Fragestellung zahlreiche neue Gedanken und mögliche Lösungswege.

Darf ich zufrieden sein – und trotzdem wachsen?


Ja. Unbedingt.


Vielleicht liegt darin sogar eines der größten Missverständnisse rund um persönliche Entwicklung:

Wachstum bedeutet nicht Selbstoptimierung.


Ich muss nicht immer besser, erfolgreicher, belastbarer oder effizienter werden.


Ich darf sagen:

„Ich bin zufrieden mit meinem Leben.“


Und gleichzeitig neugierig bleiben.

Was möchte ich noch entdecken?

Was möchte ich lernen?


Welche Begegnungen warten vielleicht noch auf mich?

Welche Seiten an mir kenne ich vielleicht noch gar nicht?

Was möchte ich weitergeben?


Was darf leichter werden?

Und was möchte ich vielleicht zum allerersten Mal ausprobieren?


Solange wir leben, begegnet uns Veränderung.

Manchmal suchen wir sie uns aus.

Manchmal sucht sie uns.



Der Wald macht es uns vor


Vielleicht arbeite ich auch deshalb so gerne in und mit der Natur.


Ein Baum stellt im Frühling nicht fest:

„So, jetzt bin ich groß genug. Bei mir muss nichts mehr wachsen.“


Und gleichzeitig versucht er auch nicht verzweifelt, jeden Tag ein bisschen größer zu werden.

Er folgt seinem Rhythmus.


Er wächst.

Er ruht.

Er verliert Blätter.

Er bildet neue Knospen.

Er trägt Früchte.


Und irgendwann beginnt der Kreislauf von Neuem.



Wachstum und Zufriedenheit sind keine Gegensätze.


Vielleicht können wir sogar gerade dann besonders gut wachsen, wenn wir nicht aus einem Mangel heraus handeln müssen.



Was trägt mich, wenn es mir gut geht?


Auch diese Frage lohnt sich.

Denn häufig nehmen wir unsere Ressourcen erst wahr, wenn sie fehlen.


Dabei können wir gerade in guten Zeiten einmal hinschauen:

Warum geht es mir eigentlich gut?

Welche Menschen tragen dazu bei?

Welche Gewohnheiten tun mir gut?

Was gibt meinem Leben Sinn?

Wo finde ich Ruhe?

Was bringt mich zum Lachen?

Was hilft mir, wenn etwas einmal nicht nach Plan läuft?

Und was davon möchte ich mir unbedingt bewahren?


Das ist für mich Resilienzarbeit.

Nicht nach Problemen suchen, wo keine sind.

Sondern das Gute erkennen, solange es da ist.



Resilienz in der Natur erleben


Genau deshalb arbeite ich bei meinen Natur-Resilienz-Trainings nicht nur mit Worten.


Wir gehen.

Wir nehmen wahr.

Wir bewegen uns.


Wir erleben Stille.

Wir tauschen uns aus.

Wir verändern den Blickwinkel.


Und manchmal hilft uns ein Baum, ein Waldweg oder ein Moment des Innehaltens dabei, etwas wahrzunehmen, das im Alltag kaum Raum bekommt.


Teilnehmende im Austausch bei einem Natur-Resilienz-Training im Wald
Natur schafft Raum für Begegnung: Im gemeinsamen Austausch entstehen neue Gedanken, Perspektiven und Verbindungen.


Die Natur verlangt keine Antwort von uns.

Aber sie kann uns Fragen stellen.


Wo stehe ich gerade?

Was trägt mich?

Was durfte bereits wachsen?

Und was möchte ich weiter wachsen lassen?


Für diese Fragen muss niemand in einer Krise stecken.

Vielleicht brauchen wir sie gerade dann, wenn das Leben gut ist.



Neugierig auf sich und das Leben bleiben


Aus diesem Training ist für mich selbst ein Satz noch einmal besonders deutlich geworden:

Ich möchte mit Menschen arbeiten, die neugierig auf sich und das Leben sind – unabhängig davon, ob es ihnen gerade gut oder schlecht geht.

Sie müssen nichts reparieren.

Sie müssen nicht in einer Krise stecken.

Sie dürfen glücklich sein.


Sie dürfen zufrieden sein.

Und trotzdem dürfen sie offen bleiben für das, was das Leben noch bereithält.


Denn persönliche Entwicklung bedeutet für mich nicht, ständig nach dem nächsten Optimierungspotenzial zu suchen.


Es bedeutet auch, wahrzunehmen, zu staunen, zu lernen, sich berühren zu lassen – und manchmal die eigene Perspektive zu verändern.



Was darf bei Ihnen noch wachsen?


Vielleicht möchten Sie sich heute selbst einen Moment Zeit nehmen.


Nicht, weil etwas nicht stimmt.

Sondern gerade, weil vielleicht vieles stimmt.


Was trägt Sie?

Was ist in Ihrem Leben bereits gewachsen?

Wofür sind Sie dankbar?

Was möchten Sie bewahren?


Und: Worauf sind Sie neugierig?



Teilnehmende beim Lösungsrad während eines Natur-Resilienz-Trainings im Wald
Neue Perspektiven entstehen manchmal dort, wo wir uns Zeit nehmen, eine Frage aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Vielleicht muss daraus heute überhaupt keine Antwort entstehen.

Manchmal genügt eine gute Frage.


Denn vielleicht besteht eine unserer schönsten Möglichkeiten darin, auch nach vielen Lebensjahren noch sagen zu können:

Ich bin zufrieden mit dem, was ist – und neugierig auf das, was noch kommt.

Sabine Nickel

Natur-Resilienztrainerin® & Natur-Achtsamkeitstrainerin


 
 
 

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